Expedition Zukunft – Bitte einsteigen …
Donnerstag, 14 Mai 2009 • Veranstaltungen

“Meine Damen und Herren, bitte Vorsicht an Gleis 8. Es fährt ein: Science Express. Herzlich Willkommen in der diesjährigen Stadt der Wissenschaft, Oldenburg.”
So ähnlich könnte die Durchsage am 7. Mai 2009 geklungen haben als der Ausstellungszug “Expedition Zukunft – Science Express” am Oldenburger Hauptbahnhof angekommen ist.
Viele Passagiere, die hier auf die sonst üblichen Nahverkehrszüge warteten, haben sich bestimmt in Anbetracht des futuristisch anmutenden Zuges an diverse ScienceFiction-Filme erinnert gefühlt und sind somit mit den richtigen Begriffen in Kontakt getreten: Wissenschaft und Erfindung. Genau darum geht es in dieser Ausstellung, die von einem Projektteam der Max-Planck-Gesellschaft konzipiert und realisiert wurde und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in Kooperation mit diversen Forschungsinstituten und Wirtschaftsunternehmen gefördert wird.
Die zentrale Frage der Ausstellung, die sich derzeit auf einer Reise durch 60 Städte befindet, lautet:
“Wie werden wir in 20 Jahren leben?”
In zwölf Wagen (plus Mitmachlabor) wird anhand einer Kombination aus interaktiven Exponaten, Präsentationen und Experten vor Ort dieser Frage begegnet. Die Ausstellung sieht sich als Momentaufnahme der aktuellen Forschung in den Bereichen: Astronomie, Nanotechnologie, Kognitionswissenschaft, Informations- und Telekommunikationstechnologie, Medizin und Klimawissenschaft.
Ökologische Problemstellungen, wie beispielsweise die Energieversorgung durch alternative Energiequellen, werden ebenso thematisiert wie die Chancen, die sich durch die “Digitale Welt” in Bezug auf die Durchdringung unserer Gesellschaft mit hoch vernetzten Informationssystemen ergeben. Besonders spannend ist in diesem Zusammenhang die MultiTouch-Installation in Wagen 5. Solche Systeme werden meiner Meinung nach Informationen zugänglicher machen. Spezielle Kenntnisse im IT-Bereich werden in bestimmten Anwendungsfällen durch eine intuitive Benutzerschnittstelle ersetzt.
Eine digitale Welt entsteht, in der sich Kreativität und Innovation auf neue Weise entfalten können.
Die Ausstellung richtet sich in erster Linie an die breite Öffentlichkeit, soll aber insbesondere jungen Menschen wie Schülern und Studenten einen Einblick in die Welt der Wissenschaft ermöglichen und diese ebenso dazu animieren beruflich in diesen Bereichen tätig zu werden.
Fazit:
Der Bahnhof als “Tor zur Welt” und Reisen im Allgemeinen lassen sich unmittelbar mit “Erleben” in Zusammenhang bringen. Diese Formel hat das Projektteam meiner Meinung nach wunderbar auf diese Problemstellung angewandt. Die Realisierung einer wandernden Ausstellung bringt nicht nur Vorteile aus ökonomischer Sicht mit sich. Der Besucherstrom ist somit selbstverständlich auch viel breiter aufgestellt als beispielsweise bei einer “stationären” Ausstellung in einem Museum.
Ich habe die Ausstellung am Samstag, dem letzten Tag des Oldenburg Aufenthalts besucht. Dementsprechend groß war auch der Besucheransturm. Die damit verbundene Wartezeit hielt sich aber in Grenzen. Der Durchgang dauert laut Projektteam 1,5 Stunden. Das ist aus meiner Sicht nicht möglich. Es ist aufgrund der Themenvielfalt in jedem Fall zu empfehlen die nötige Zeit zu investieren. Von einem Besuch während der Mittagspause ist also abzuraten.
Probleme solcher Komplexität lassen sich außerdem niemals im Rahmen einer Ausstellung vollständig beleuchten. Der Zug soll Inspirationsquelle sein und liefert aus diesem Grund “Appetitanreger” zum Nachdenken. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Wer sich also Antworten auf alle Fragen erhofft, wird selbstverständlich enttäuscht sein.
Für alle die jetzt sagen: “Science Express da gab es doch schon einmal etwas, oder?”. Richtig! 2007 tourte bereits ein Science Express quer durch Indien. Der Erfolg von damals beweist, dass ein ungeheurer Wissensdurst im Bezug auf Forschung und Entwicklung besteht.
Diesen Erfolg wünsche ich mir persönlich auch für den Science Express hierzulande. Das Projekt hat es meiner Meinung nach verdient.