HashTag als medienübergreifender Rückkanal

hashtagDavid Maciejewski schreibt in einem interessanten Artikel über die Möglichkeit das Feedback der Leser im Printbereich durch das sogenannte Hashtag zu sammeln, um so einen Rückkanal bzw. eine Brücke aus der Print- in die Online-Welt zu schlagen. Redaktionen könnten so beispielsweise Nachrichten des Dienstes Twitter nach genau diesem Hashtag durchsuchen und so auf die Meinungen der Leser eingehen.

Auf den ersten Blick erkennt man eine Ergänzung zu den klassischen Feedback-Kanälen, wie zum Beispiel den Leserbrief oder dem Anruf in der Redaktion. Diese bisherigen Möglichkeiten entsprechen allerdings nicht dem demokratischen Paradigma des Internets und unterliegen somit der Zensur der Redaktion, welche die Wahlfreiheit hat auf das Abdrucken unliebsamer bzw. eventuell auch reputationsschädigender Reaktionen zu verzichten. Dieses Verhalten ist aus Redaktionssicht verständlich, birgt meiner Meinung nach jedoch die Gefahr bei den Lesern das Gefühl von Unverbesserlichkeit zu erzeugen oder sie zu zwingen sich eine weitere Folge der Soap “Das Leben im Elfenbeinturm” anzusehen. Man muss uns Menschen immer wieder das Gefühl geben gebraucht zu werden oder Teil eines Ganzen bzw. der Gemeinschaft zu sein (gehört werden). Im Falle der Redaktion würde sich die Ignoranz eventuell im ökonomischen Sinne widerspiegeln. Der verärgerte Verfasser des Leserbriefs kündigt sein Abonnement und erzählt seinem sozialen Umfeld von dieser “Frechheit”. Schneeballeffekt.

Aus diesem Grund, sehe ich in der Schaffung dieses Rückkanals positive Effekte, die auf beide Seiten ausstrahlen würden. Die Zeitschrift hat die Möglichkeit die Kritik in ihre Arbeit aufzunehmen und der Kritiker das Gefühl an der Verbesserung teilnehmen zu dürfen.

Die Werkzeuge für das Analysieren von Meinungen im Web haben wir. Die Suchfunktionen der jeweiligen Services machen es möglich den “user generated content” zu den verschiedenen Veranstaltungen, Zeitschriften, Blog-Artikeln, etc. zu verfolgen.

Das Problem ist derzeit noch die Vielfalt von Begriffen, die wir in die Suchfelder eingeben können. Wenn ich mir beispielsweise das Feedback über den ZEIT-Artikel: Wider die Ideologen des Internets! anschauen möchte. In diesem Fall bietet die Website dem Leser eine Kommentar-Funktion unterhalb des Artikels. Was aber müsste ich in die Twitter-Suche eingeben, wenn es sich nicht um eine Online-Publikation handeln würde? Vielleicht: #diezeit #ideologen und #internet? Selbst wenn ich hier das Feedback der Leser sehen kann, spiegelt das mit Sicherheit nicht die Meinung aller Nutzer wider, die über diesen Artikel etwas geschrieben haben. Es fehlt ganz klar ein Hashtag, das durch den Verfasser definiert wurde. Der Leser könnte diese Definition des Hashtags auch als Begrüßung nach dem Motto: “Natürlich darfst du was sagen.” ansehen.

Hashtag im Sport

Diese Möglichkeit würde ich mir in diversen Bereichen wünschen. Zum Beispiel bei Veranstaltungen. Jedes weitere Barcamp ist ein Paradebeispiel dafür, dass dieses Konzept funktioniert. Ein klar definiertes Hashtag und es ist möglich die Meinungen zu verfolgen. Warum sollte dies nicht auch beispielsweise bei einem Fußballspiel funktionieren?

Das Konzept ist auf diverse Medienbereiche transferierbar. So beispielsweise auch auf das TV. Ich möchte meine Meinung zu der gerade laufenden “Anne Will”-Diskussionsrunde loswerden. Womit soll ich meinen Tweet “verschlagworten”? Diese Frage wird mir von der Redaktion der Sendung abgenommen. Sie hat bereits ein Hashtag definiert, welches neben dem Senderlogo angezeigt wird.

Hashtag im TV

Wenn die jeweiligen Institutionen bereit sind, diese Kanäle zu öffnen, haben wir eventuell die Möglichkeit Einfluss zu nehmen und können wirklich sagen was wir hören und sehen möchten. Dann entscheidet die Mehrheit und nicht wie beim TV eine nicht repräsentative Einschaltquote. Aber vielleicht sollen wir in diesem Sinne ja auch keinen Einfluss nehmen können?!



4 Kommentare (Füge dein Kommentar hinzu ...)

  1. Recht hast du, in Konsequents müsste ich doch aber dann ein #gedankenjournal_Hashtag auf der Seite finden oder?
    Gute Grüße.

  2. Prinzipiell hast du Recht. Ein Blog hat durch die Kommentarfunktion ja bereits einen (digitalen) Rückkanal. Mir ist es wichtig, dass Medien, die nicht unmittelbar mit dem Internet verbunden sind, wie zum Beispiel: TV, Radio und Print, Brücken zu eben diesem schlagen können.

  3. Der Artikel ist sehr interessant – eben dieses Problem, des beim TV fehlenden Rückkanals hat schon Villèm Flusser beschäftigt. Ein fehlender Rückkanal ist auch ein Grund der zunehmenden Verdummung unserer Gesellschaft, da kein Austausch zwischen verschiedenen Bevölkerungsschichten besteht.

  4. @Lorenz Spannender Gedanke. Vielen Dank für den Hinweis auf Villèm Flusser. Oliver Bidlo hat beispielsweise ein Buch geschrieben, in dem er Flussers umfangreiches Werk darstellt: “Vilém Flusser: Einführung”

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